Freitag, 24.11.2017 04:28 Uhr

VDP mit Turbo-Weinlese

Verantwortlicher Autor: Karl J. Pfaff Mainz, 08.11.2017, 13:58 Uhr
Presse-Ressort von: LifestyleWeinKultur Bericht 2856x gelesen

Mainz [ENA] Die Traubenernte 2017 endete mit erfreulichen Qualitäten bei teils sehr geringen Erträgen. So früh wie selten zuvor konnten die VDP.Prädikatsweingüter die Weinlese 2017 beenden. Besonders in den südlichen Anbaugebieten wurden vielerorts bereits Ende September die letzten Erntewagen eingefahren. In manchen Regionen hatten zudem Wetterextreme wie Spätfrost und Hagel die VDP.Winzer vor große Aufgaben gestellt.

„2017 war ein Jahr, das wieder unser in vielen Jahrzehnten erworbenes Wissen gefordert hat. Zuerst zu trocken und dann mancherorts zu nass, galt es einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch letztlich liegen ausgezeichnete Jungweine in unseren Kellern mit feiner Säure und guter Struktur, die sich bestens in die letzten Jahrgänge einfügen und uns viel Freude bereiten werden,“ so Steffen Christmann, Präsident des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter. Vegetations- und Leseverlauf Nach einem von Trockenheit geprägten Winter konnte auf Grund der milden Temperaturen über die gesamte Vegetationszeit ein deutlicher Entwicklungsvorsprung der Reben verzeichnet werden.

Die ersten Triebspitzen begannen sich bereits in der ersten Aprilhälfte zu öffnen, etwa 3 - 4 Wochen früher, als dies normalerweise der Fall ist. Dieser frühe Austrieb stellt aber auch immer eine Gefahr für die Reben dar. So kam es durch regionale Kälteeinbrüche und Spätfröste Ende April zum Teil zu beträchtlichen Erfrierungen an den jungen Trieben. Im Juni und Juli hatte die anhaltend trockene Witterung der ersten Jahreshälfte ein Ende und es kam in manchen Regionen zu erheblichen Niederschlägen; positiv daran: die tiefliegenden Wasserspeicher in den Weinbergen wurden aufgefüllt. Der Spätsommer brachte den meisten Regionen trockenes, warmes Wetter und damit ideale Bedingungen zur Ausreifung gesunder, reifer Trauben.

Ab Erntebeginn Ende August - so früh wie noch nie - begünstigten kühle Nächte und milde Tage einen entschleunigten Reifeprozess und eine optimale Aromen-Entwicklung, so dass Trauben mit mustergültiger Balance aus Mostgewicht und Säure geerntet werden konnten. VDP.GROSSE LAGE® und VDP.ERSTE LAGE®: In den VDP.GROSSEN LAGEN® und VDP.ERSTEN LAGEN® erforderten der frühe Lesebeginn und die schnelle Reife der Trauben beherztes Handeln. Gerade in den Filetstücken der besten Lagen ist es wichtig, die Trauben zum idealen Reifezeitpunkt in gesundem, reifen Traubenstadium zu ernten und überreifes Traubenmaterial zu vermeiden. „Die Erwartungen an die VDP.ERSTE LAGE® und VDP.GROSSE LAGE® – Weine sind sehr gut.

„Die goldgelben Trauben aus denVDP.GROSSEN LAGEN® bieten auch in diesem Jahr das Potenzial, sich zu herausragenden Weinen zu entwickeln. Wir freuen uns auf den spannenden Weg dorthin.“, so Johann Fitz, VDP.Weingut Fitz Ritter (Bad Dürkheim). Stimmen von der AHR: „Der frühste Herbst seit Aufzeichnung! „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals so früh mit der Lese begonnen haben“, sagt Hella Hehle, Besitzerin des Deutzerhofs. „Die Frühburgunder hätten dem Regen auch nicht mehr Stand halten können,“ ergänzt Betriebsleiter, Hans-Jörg Lüchau. „Durch diese frühe Lese konnte dieselbe Menge geerntet werden wie im Vorjahr. Auch die Oechsle-Grade unterschieden sich nur unwesentlich von 2016.

"Am 4. Oktober haben wir den letzten Weinberg gelesen – ein weiterer Rekord! Die Menge hat zwar die pessimistischen Erwartungen übertroffen, ist aber unter der Menge des Vorjahres. Die Rotweine präsentieren sich schon jetzt feinfruchtig und strukturiert.“ Hans-Jörg Lüchau – VDP.Weingut Deutzerhof (Mayschoß) In BADEN begünstigte die Warmwetterlage im Oktober Auslesen und Trockenbeerenauslesen. „Die Spätfröste haben auch beim VDP.Baden zu einer frühen Reduzierung der Triebe über das gesamte Weinbaugebiet geführt. Eine ausgewogen warme und regenreiche Periode über die gesamte Vegetation hinweg führte zu einer sehr guten Entwicklung der Trauben. Im Schnitt der letzten Jahre wurden je nach Weinbaubereich 20 – 35% weniger Trauben geerntet.

Im Schnitt der letzten Jahre wurden je nach Weinbaubereich 20 – 35% weniger Trauben geerntet. Die Jungweine zeigen sich nach der Gärung animierend mit komplexer Struktur und ruhen nun überwiegend bis Ende Frühjahr 2018 auf der Hefe im Fass.“ Joachim Heger, VDP.Weingut Dr. Heger (Ihringen) Für die Region FRANKEN war es kein leichtes Jahr, aber Grosse Weine. "Nach einer sehr kurzen Vegetationsperiode haben wir bereits am fünften September (!) mit der Lese begonnen. Die durchschnittliche Vegetation von hundert Tagen von der Blüte bis zur Lese ist bei den frühen Sorten somit auf teilweise 81 – 88 Tage geschrumpft. Durch Niederschläge während des Sommers und hochsommerliche Temperaturen erlangten die Trauben eine Turboreife.

Beim RHEINGAU waren Ernteeinbußen von zum Teil 50% zu ertragen. „Das gesamte Weinjahr 2017 war eine einzige, riesengroße Herausforderung: Beginnend mit Frost-Schäden kurz nach dem Austrieb im Frühjahr, über Hagelschläge bisher unbekannten Ausmaßes im Sommer bis hin zu Regenwetter kurz vor der Lese mit früh einsetzender Fäulnisproblematik. Durch die extrem variierenden Reife- und Gesundheitszustände in den Rebzeilen konnten die Qualitätsansprüche nur durch eine radikal-selektive Handlese umgesetzt werden. Das Team, allen voran Urban Kaufmann, ist zwar mit der geringen Menge im Keller nicht zufrieden, freut sich aber sehr über die aromatische Dichte und Substanz der gärenden Moste.

In RHEINHESSEN war ebenfalls viel handwerklicher Einsatz vonnöten. „Der sehr frühe Austrieb der Reben im April und die schönen Sommermonate ließen die Trauben im Eiltempo heranreifen. So haben wir in den letzten vier Erntewochen mit viel handwerklichem Einsatz und einer sehr motivierten Lesemannschaft, ohne einen Tag zu pausieren, alle unsere Weinberge geerntet. Die Qualität, im Besonderen beim Riesling, ist wirklich sehr vielversprechend, einziger Wermutstropfen: es ist auch eine der kleinsten Ernten in unserer jüngeren Geschichte. Die Mengen liegen ca. 40% unter Vorjahr.“ Philipp Wittmann, VDP.Weingut Wittmann (Westhofen)

Das Anbaugebiet SACHSEN /SAALE-UNSTRUT blieb weitgehend von Wetterunbilden verschont und erreichte gute Erntemengen. "Bei idealem, sonnigem Herbstwetter konnten wir ausgereifte und gesunde Trauben ernten. Vor allem das spätsommerliche Wetter Mitte Oktober hat den Winzern einen perfekten Abschluss der Weinlese beschert. Wer die Geduld aufbrachte spät reifende Sorten wie Riesling bis zuletzt hängen zu lassen, wurde belohnt.“, so Georg Prinz zur Lippe, VDP.Weingut Proschwitz (Meißen)

WÜRTTEMBERG verzeichnet die seit 60 Jahren früheste Lese. „Eine sehr frühe und schnelle Weinlese liegt hinter den Betrieben des VDP. Württemberg. Durch das Frostereignis Ende April sind die Erträge durchschnittlich 35% niedriger, wobei die Schäden weit auseinandergehen und zwischen 0% und 80% liegen. Die Qualitäten sind überdurchschnittlich und von saftigen Sektgrundweinen bis hin zu konzentrierten Trockenbeerenauslesen konnten alle Qualitätsstufen geerntet werden.“ Markus Drautz, VDP.Weingut Drautz-Able, (Heilbronn) .

In der PFALZ entwickelte sich eine ausgeprägte Sortenaromatik „Nach einem milden Winter und leichteren Spätfrostschäden zeichnete sich bereits zur Blütezeit ein früher Erntebeginn ab. Durch den geringeren Behang und abwechselnd warmes und feuchtes Wetter im August wurde der Vegetationsvorsprung noch verstärkt. Am 4. September - und somit so früh wie nie zuvor- haben wir mit der Ernte begonnen und direkt in der ersten Woche 20% des Jahrgangs eingebracht. Das Erntetempo blieb - auch aufgrund eines Starkregenereignisses am 14/15. September - und ließ uns die Lese 2017 bereits am 28. September beenden. Die Qualität der Trauben ist aufgrund der geringeren Erträge und der frühen Reife hervorragend, Jan Eymael, VDP. Weingut Pfeffingen (DÜW).

An MOSEL, Saar und im Ruwertal konnten edelsüße TBAs ausgebaut werden. „Auf Grund der Frostlage Ende April verzeichneten die VDP.Winzer leider Ernteeinbußen von durchschnittlich 20-30%. Die Rieslinge zeigen ein sehr gutes Säurepotential und durch den niedrigen Ertrag sind sie sehr extraktreich. An Mittelmosel und Saar konnten auch erfreuliche Mengen an Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen geerntet werden. Erfreulicherweise kamen die an der Mosel raren Burgunderrebsorten dieses Jahr sehr gut mit den zum Teil schwierigen Witterungsverhältnissen zu recht.“, betonte Carl von Schubert, VDP.Weingut Maximin Grünhaus (Mertesdorf) und Vorsitzender des VDP Mosel. (p.s.)

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.