Freitag, 24.11.2017 04:27 Uhr

Mosel-Weinjahrgang mit zwei Rekorden

Verantwortlicher Autor: Karl J. Pfaff Kanzem, 29.10.2017, 12:10 Uhr
Presse-Ressort von: LifestyleWeinKultur Bericht 3876x gelesen

Kanzem [ENA] Der Weinjahrgang 2017 im Anbaugebiet Mosel bricht zwei Rekorde: Zum einen ist es die früheste Lese seit Menschengedenken, zum anderen fällt die Erntemenge so niedrig aus wie noch nie in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Qualitativ biete der Jahrgang dagegen das ganze Spektrum vom Einstiegsqualitäten bis zur Trockenbeerenauslese, berichtet der Moselwein e.V. in seiner Herbstpressekonferenz in Kanzem an der Saar.

Wie schon in den Jahren zuvor, machten extreme Wettererscheinungen die Hoffnungen der Winzer auf einen „normalen“ Jahrgang zunichte. Während 2016 Dauerregen im Frühjahr und Frühsommer sowie Hitze und Trockenheit im Hochsommer für eine relativ kleine Erntemenge sorgten, war es 2017 vor allem der extreme Spätfrost im April, der den Jahrgang prägte. Die Erntemenge fällt mit rund 600.000 Hektolitern um 150.000 Hektoliter nochmals deutlich geringer aus als 2016. Damit liegt die Erntemenge an Mosel, Saar und Ruwer um 200.000 Hektoliter niedriger als der zehnjährige Mittelwert von 800.000 Hektolitern (2007 bis 2016).

Bereits Ende August wurden frühreifende Sorten wie Solaris und Ortega geerntet – nicht nur für Federweißen, sondern auch schon für die Weinproduktion. Anfang September begannen viele Winzer mit dem Ernten des Müller-Thurgau und den Elbling-Weinbergen der Obermosel. 2016 begann die Elbling-Hauptlese Anfang Oktober, bei Müller-Thurgau am 24. September. Und selbst der spätreifende Riesling wurde ab Mitte September 2017 eingebracht – fast drei Wochen früher als 2016 und immerhin noch mehr als zehn Tage früher als im Jahr 2011, das bislang den Rekord des frühesten Lesestarts im Anbaugebiet Mosel hielt.

Während Elbling, Müller-Thurgau und andere frühreifende weiße Sorten in der Regel Garanten für eine mengenmäßig gute Ausbeute sind, mussten sich die Winzer 2017 mit deutlich weniger Trauben in ihren Erntewagen begnügen. Der Elbling brachte es auf einen Durchschnittsertrag von 8.500 Litern pro Hektar, im Vorjahr waren es 11.000 Liter. Elblingerzeuger berichteten von Erträgen von nur 4.000 Litern in besonders vom Frost geschädigten Lagen. Beim Müller-Thurgau, 2016 mit 90 Hektoliter pro Hektar im Schnitt, schätzt der Weinbauverband den Durchschnittsertrag auf 70 Hektoliter. Ähnlich ist die Situation beim Riesling. Vor allem qualitätsorientierte Betriebe, die schon beim Anschnitt der Reben ertragsmindernd vorgehen, wurden besonders getroffen.

Vorstandskollegen der Moselwein e.V mit Weinbaupräsident
Ehrenpräsident Adolf Schmitt
Gesprächspartner/in

Wer Geduld hatte und selektiv erntete, wurde belohnt: Das zunächst wechselhafte Oktoberwetter mit Niederschlägen und relativ hohen Temperaturen mündete in einen goldenen Bilderbuchherbst, während dessen Dauer bis etwa 20. Oktober die meisten Weingüter die Lese abschließen konnten. Der Aufwand für die selektive Lese war allerdings sehr hoch, die Erntehelfer mussten jede Traube unter die Lupe nehmen, um die passenden Beeren für den entsprechenden Weinstil auszulesen. Hohes Lob zollten Weinbaupräsident und Vorsitzender der Moselwein e.V, Rolf Haxel und Gerd Knebel, der Geschäftsführer des Weinbauverbands den flexibel agierenden Teams, die eine perfekte Ernte geschafft haben.

Anna Reimann, jüngstes Vorstandsmitglied im Moselwein e.V. und Eigentümerin des neuen Weinguts "Cantzheim", drückte die komplexe Ernte mit den humorigen Worten aus: "Man hat geniest und danach genossen." Florian Lauer verglich die Erntequalität als Spiegelbild der ganzjährigen Vegetation. Die Natur war für Überraschungen bereit, die frühe Selektion entlastete den Rebstock, sodass genügend Kraft für die Ausreifung in allen Stadien genutzt werden konnte. Henning Seibert, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Moselland eG verwies auf die Problematik der höheren Mostpreise und der damit verbundenen Preissteigerungen im Markt. 70% des Weinhandels werden über den Einzelhandel abgewickelt. Die Gefahr von Auslistungen besteht.

Der Jahrgang 2017 von Mosel, Saar und Ruwer wird den Verbrauchern Weine in allen Qualitätsstufen, vom QbA über Kabinett und Spätlesen bis hin zu Beeren- und Trockenbeerenauslesen bieten. Vor allem im gehobenen Segment wird es eine breite Palette geben, von mineralisch-trockenen Großen Gewächsen bis zu hochgradigen Botrytis-Auslesen. Die ersten Mostpreise notierten für Elbling und Müller-Thurgau bei 100 Cent, bei Riesling bis 130 Cent. Preise deutlich darüber zahlen die selbstvermarktenden Weingüter, die durch Zukauf am Trauben- und Fassweinmarkt ihre eigenen Ertragseinbußen ausgleichen.

Adolf Schmitt, der Geschäftsführer von Saar-Mosel Winzersekt GmbH betonte die hohe Qualität des Sektangebots. Wenn auch die Gesamtmenge von 13000 hl in 1981 auf jetzt 9000 hl gesunken ist, hat die Flaschengärungsentwicklung in den Qualitäten des Crémant-Stils und des Winzersekts zugelegt. Die Grundweine haben ein langes Lagerpotenzial und können Schaumweinen aus der Champagne oder den Crémant-Ausbauregionen als gute Alternative dienen. Wie Weinbaupräsident Rolf Haxel am Rande mitteilte, soll ein gemeinsames Crémant-Projekt im Dreiländereck mit Luxemburg angestrebt werden.

Ansgar Schmitz, der Geschäftsführer des Moselland e.V. stellte einen neuen Weinreiseführer vor. „Zu Gast beim Winzer“ lautet der Titel des neuen Booklets. Auf 400 Seiten, im Format DIN lang, listet das Büchlein die Mitglieder des Vereins auf, die in ihren Weingütern, Winzerhöfen, Vinotheken, Straußwirtschaften, Weinstuben und Restaurants vielfältige Serviceleistungen für Gäste anbieten. Ob Weinprobe, Ferienwohnung oder Gästezimmer, Weinbergswanderung, Hausmannskost oder Gourmetküche, in der Broschüre finden Weinreisende und einheimische Weinfreunde Angebote für jeden Geschmack. Der Moselwein e.V. vertreibt das Verzeichnis bei Messen und Veranstaltungen und versendet es kostenlos. (info@weinland-mosel.de) (p.s.)

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